18.12.2025

Duplex

Was bedeutet Duplex?

Duplex beschreibt die Richtung eines Datenkanals – also, ob Daten nur in eine Richtung übertragen werden oder ob Senden und Empfangen gleichzeitig möglich sind. Der Begriff wird häufig zusammen mit Simplex und Halbduplex verwendet.

  • Simplex: Daten fließen nur in eine Richtung (z. B. ein Sensor sendet Messwerte, empfängt aber nichts zurück).
  • Halbduplex: Daten können in beide Richtungen fließen, aber nicht gleichzeitig (abwechselnd senden/empfangen, „Walkie-Talkie-Prinzip“).
  • Vollduplex (Full Duplex): Senden und Empfangen ist gleichzeitig möglich (wie bei einem Telefonat).

Im Kontext von Elektronik und Embedded Systems ist „Duplex“ damit weniger eine einzelne Technologie, sondern eine Eigenschaft der jeweiligen Schnittstelle bzw. Übertragungsstrecke.

Wofür wird Duplex eingesetzt?

Duplex-Eigenschaften spielen überall dort eine Rolle, wo Geräte Daten austauschen – intern auf der Baugruppe oder extern über Kabel- oder Funkverbindungen. Typische Beispiele in der Elektronikentwicklung und -fertigung sind:

  • Serielle Schnittstellen: z. B. UART-Verbindungen (häufig Vollduplex mit getrennten Leitungen für TX/RX), RS-485-Netze (typisch Halbduplex auf einer Leitung).
  • Industriekommunikation: Feldbusse und Ethernet-basierte Netze, bei denen sich Latenz, Determinismus und Durchsatz stark nach Duplex und Topologie richten.
  • Service- und Diagnosezugänge: Programmierung, Logging und Debugging profitieren oft von Vollduplex, weil Kommandos und Rückmeldungen parallel laufen können.
  • Funkverbindungen: Je nach Protokoll und Hardware sind Halb- oder Vollduplex-Varianten möglich, was Energiebedarf und Reaktionszeiten beeinflusst.

Wie funktioniert Duplex in der Praxis?

Ob eine Verbindung Halb- oder Vollduplex kann, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von physikalischer Umsetzung (Leitungen, Transceiver, Funkfrontend) und Protokoll (Regeln, wer wann senden darf).

Bei Vollduplex werden Sende- und Empfangsrichtung meist getrennt geführt (z. B. zwei Adernpaare oder separate Signalpfade). Das reduziert Kollisionen und kann die Netto-Datenrate erhöhen, weil nicht zwischen Senden und Empfangen umgeschaltet werden muss.

Bei Halbduplex teilen sich beide Richtungen dasselbe Medium. Damit das zuverlässig funktioniert, braucht es eine klare „Sprechdisziplin“: Geräte müssen festlegen, wer zu welchem Zeitpunkt senden darf. In der Praxis bedeutet das zusätzliche Umschaltzeiten, mögliche Wartezeiten und häufig mehr Aufwand bei der Fehlerbehandlung (z. B. Timeouts, Retransmits).

In Entwicklungsprojekten wird Duplex daher oft schon früh festgelegt, weil es sich direkt auf Hardware-Architektur (Anzahl Leitungen, Steckerbelegung), EMV-Verhalten, Teststrategie und Firmware-Design auswirkt.

Warum ist Duplex für Unternehmen relevant?

Die Duplex-Charakteristik ist ein Detail mit spürbaren Auswirkungen auf Projektziele. Für Unternehmen wird das insbesondere in folgenden Punkten relevant:

  • Performance & Time-to-Market: Vollduplex kann höhere Datenraten und schnellere Reaktionszeiten ermöglichen – das reduziert Risiko bei späteren Performance-Problemen.
  • Kosten & Bauraum: Mehr Leitungen/Paare, andere Stecker oder leistungsfähigere Transceiver können Materialkosten und Platzbedarf erhöhen; Halbduplex kann hier schlanker sein, fordert aber mehr Protokoll-Disziplin.
  • Zuverlässigkeit: Klar definierte Sende-/Empfangsregeln, robuste Timeouts und saubere Signalführung beeinflussen Störfestigkeit und Fehlerraten – besonders in rauen Industrieumgebungen.
  • Testbarkeit & Automatisierung: Schnittstellen mit klaren Zuständen und reproduzierbarem Kommunikationsverhalten lassen sich in der Fertigung meist einfacher automatisiert prüfen.
  • Skalierung: Bei Mehrteilnehmer-Systemen (Bus) ist Halbduplex oft üblich, erfordert aber ein gutes Busmanagement; bei Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ist Vollduplex häufig einfacher zu beherrschen.

Im Ergebnis ist „Duplex“ ein nützlicher Begriff, um Anforderungen an Schnittstellen präzise zu beschreiben – und um früh abzuschätzen, welche Auswirkungen auf Kosten, Qualität und Terminplan zu erwarten sind.

Im Rahmen von Elektronikentwicklung klären wir solche Schnittstellen-Entscheidungen typischerweise früh, weil sie Hardware, Firmware, Prüfkonzept und spätere Serienüberführung direkt beeinflussen.

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