19.12.2025

TEMPEST

tempest

Was bedeutet TEMPEST?

TEMPEST steht für Transient Electromagnetic Pulse Emanation Standard und beschreibt Anforderungen und Maßnahmen, um elektromagnetische Abstrahlung von Geräten gezielt zu begrenzen. Gemeint sind nicht nur „normale“ EMV-Effekte wie Störungen von Funk oder Nachbargeräten, sondern insbesondere Abstrahlungen, aus denen sich im ungünstigen Fall Informationen über interne Signale ableiten lassen.

Vereinfacht gesagt: Jede Elektronik „sendet“ ein wenig mit – über Leitungen, Gehäuseöffnungen oder als Feldabstrahlung. TEMPEST zielt darauf, diese unbeabsichtigten Emissionen so weit zu reduzieren, dass eine Auswertung oder ein „Mithören“ praktisch nicht möglich ist.

In welchen Bereichen ist TEMPEST relevant?

TEMPEST spielt vor allem dort eine Rolle, wo Informationssicherheit und Betriebssicherheit besonders hohe Priorität haben. Typische Einsatzfelder sind:

  • Sicherheitskritische IT- und Kommunikationssysteme (z. B. Endgeräte, Netzwerktechnik, Kryptokomponenten)
  • Behörden- und Verteidigungsumfelder mit erhöhten Schutzanforderungen
  • Industrie- und Infrastruktur-Systeme, wenn Schutz vor Abstrahlung als Teil eines Security-Konzepts gefordert ist
  • Produkte mit strengen Kunden- oder Ausschreibungsanforderungen, bei denen EMV/EMI und Informationsschutz zusammen betrachtet werden

In vielen Projekten taucht TEMPEST nicht als „Nice-to-have“ auf, sondern als konkrete Forderung in Spezifikationen, Lastenheften oder Ausschreibungen.

Wie funktioniert TEMPEST in der Praxis?

In der Praxis geht es um ein Bündel technischer und organisatorischer Maßnahmen, die bereits in der Entwicklung berücksichtigt werden sollten, weil spätere Änderungen teuer und zeitkritisch werden können. Typische Stellhebel sind:

  • Schirmung: Geeignete Gehäusekonzepte, leitfähige Dichtungen, definierte Kontaktierungen und kontrollierte Öffnungen (z. B. für Bedienung oder Steckverbinder).
  • Filterung: EMV-Filter an Schnittstellen (Stromversorgung, Datenleitungen), um leitungsgebundene Emissionen zu reduzieren.
  • Leiterplattendesign: Saubere Rückstromführung, geeignete Lagenaufbauten, Abblockkonzepte, Trennung sensibler Bereiche und kontrollierte Impedanzen, damit Signale weniger „nach außen tragen“.
  • Takt- und Signalmanagement: Geeignete Wahl von Taktraten, Flankensteilheiten, Treiberstärken sowie ggf. Maßnahmen gegen Übersprechen und unerwünschte Resonanzen.
  • Validierung und Tests: Messungen und Prüfungen, um Abstrahlung und Kopplungswege zu bewerten und Grenzwerte nachweisbar einzuhalten.

Ein hilfreicher Vergleich: Wie bei einem Besprechungsraum mit vertraulichen Inhalten reicht es nicht, nur die Tür zu schließen. TEMPEST betrachtet auch „Nebenwege“ – etwa Schall durch Lüftungsschlitze bzw. bei Elektronik die Abstrahlung über Kabel, Spalte oder Gehäusekanten.

Warum ist TEMPEST für Unternehmen relevant?

Für Unternehmen ist TEMPEST vor allem dann relevant, wenn Produkte in sicherheitsnahen Märkten eingesetzt werden oder wenn Kundenanforderungen über die klassische EMV hinausgehen. Das wirkt sich direkt auf mehrere Projektziele aus:

  • Qualität und Zuverlässigkeit: Ein robustes EMV-/Schirmkonzept reduziert nicht nur Abstrahlung, sondern oft auch Störanfälligkeit und sporadische Feldprobleme.
  • Kosten: Frühzeitig eingeplante Maßnahmen (z. B. Layoutregeln, Bauteilauswahl, Gehäusekonzept) sind in der Regel günstiger als Nachbesserungen nach fehlgeschlagenen Tests oder Abnahmen.
  • Time-to-Market: Wenn TEMPEST-Anforderungen erst am Ende „auftauchen“, entstehen Iterationsschleifen in Hardware, Mechanik und Beschaffung. Ein vorausschauender Ansatz reduziert Re-Designs und Terminrisiken.
  • Lieferfähigkeit und Nachweisführung: In regulierten Projekten zählen dokumentierte Entscheidungen, Prüfberichte und reproduzierbare Fertigungsprozesse – bis hin zu kontrollierten Montage- und Prüfabläufen.

In E²MS-/EMS-Projekten betrachten wir TEMPEST daher nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel aus Elektronikentwicklung, mechanischem Konzept, Fertigungsfähigkeit (DFM) und geeigneten Prüf- und Validierungsschritten.

Wer TEMPEST-Anforderungen in einem Projekt erwartet oder bereits im Lastenheft findet, profitiert davon, das Thema früh in die Gesamtarchitektur einzuordnen – passende Bausteine dafür finden sich auch im Überblick zur Full Service EMS.

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