19.12.2025

XCP

Was bedeutet XCP?

XCP steht für Calibration Protocol und ist ein standardisiertes Kommunikationsprotokoll, das vor allem in der Automobilindustrie genutzt wird. Das „X“ steht dabei für die Flexibilität, da das Protokoll verschiedene Bussysteme (wie CAN, Ethernet) unterstützt. Es dient dazu, elektronische Steuergeräte (ECUs) während Entwicklung, Inbetriebnahme und Erprobung zu messen und zu kalibrieren – also Parameter im Steuergerät gezielt zu verändern, ohne jedes Mal die komplette Software neu zu flashen.

Vereinfacht gesagt ist XCP die „Service-Schnittstelle“ für Entwicklungswerkzeuge: Messwerte können live aus dem Steuergerät ausgelesen werden, und Kennfelder bzw. Parameter lassen sich im laufenden Betrieb anpassen, um das Systemverhalten schnell zu optimieren.

In welchen Bereichen kommt XCP zum Einsatz?

XCP wird typischerweise überall dort eingesetzt, wo Steuergeräte oder embedded Systeme fein abgestimmt werden müssen und viele Iterationen anfallen. Häufige Einsatzfelder sind:

  • Motor- und Antriebssteuerung (z. B. Kennfeldabstimmung, Regelparameter)
  • Getriebe-, Fahrwerk- und Bremssysteme (z. B. Regler-Tuning, Plausibilisierung)
  • Elektrifizierung (Batteriemanagement, Inverter, Ladeeinheiten)
  • ADAS/Automatisiertes Fahren (Monitoring von Signalen, Parametrierung von Algorithmen)
  • Prüfstände und End-of-Line-Tests, wenn Messdaten strukturiert erfasst oder Parameter für Varianten gesetzt werden

Neben Automotive findet XCP auch in anderen Branchen Anwendung, wenn komplexe eingebettete Systeme entwickelt werden und eine performante Mess- und Parametrier-Schnittstelle benötigt wird.

Wie funktioniert XCP in der Praxis?

In der Praxis gibt es zwei Rollen: ein XCP-Master (typischerweise ein PC-Tool im Labor oder am Prüfstand) und ein XCP-Slave (das Steuergerät bzw. die Zielhardware). Der Master fragt Messwerte ab, startet Messaufzeichnungen oder schreibt Kalibrierwerte in definierte Speicherbereiche.

Wichtige Bausteine im Ablauf sind:

  • Messung (Measurement): Signale und interne Variablen werden zyklisch oder ereignisgesteuert übertragen. Das ist zentral für Analyse, Debugging und Nachweisführung.
  • Kalibrierung (Calibration): Parameter (z. B. Kennlinien, Schwellenwerte, Reglerverstärkungen) werden gezielt verändert, um das Verhalten zu optimieren.
  • Mapping/Adressierung: Damit ein Tool „weiß“, welche Variable wo liegt, werden Informationen aus einer Beschreibung (z. B. A2L/ASAP2 im Automotive-Kontext) genutzt. Das schafft eine klare Zuordnung zwischen Mess-/Kalibrierobjekten und Speicheradressen.
  • Transportebene: XCP kann über verschiedene physikalische Schnittstellen laufen, je nach System und Performance-Anforderung (z. B. CAN/CAN FD oder Ethernet). Die Wahl beeinflusst Datenrate, Latenz und Testaufbau.

Für die Elektronikentwicklung bedeutet das: Die Zielhardware muss die Schnittstelle zuverlässig bereitstellen (inkl. passender Transceiver/PHY, Timing, EMV-Verhalten). In der Serienüberführung sind außerdem robuste Konfigurationen wichtig, damit Diagnose- und Messzugänge kontrolliert nutzbar bleiben.

Warum ist XCP für Unternehmen relevant?

XCP ist weniger ein „Nice-to-have“ als ein Werkzeug, das Entwicklungs- und Testprozesse messbar beeinflussen kann:

  • Time-to-Market: Parameteranpassungen und Messungen in Echtzeit reduzieren Iterationen mit vollständigen Software-Rebuilds und Flash-Zyklen.
  • Qualität und Zuverlässigkeit: Saubere Messdaten und reproduzierbare Kalibrierstände erleichtern Ursachenanalysen, Absicherungen und Traceability – besonders bei Varianten und langen Laufzeiten.
  • Kosten: Kürzere Abstimmzeiten am Prüfstand und weniger Fehlersuchen senken Entwicklungs- und Testaufwände. Gleichzeitig lässt sich Testautomatisierung besser strukturieren, wenn Mess- und Parametrierzugriffe standardisiert sind.
  • Automatisierung und Digitalisierung: XCP-gestützte Messkampagnen lassen sich in Prüfstand- und Datenpipelines integrieren (z. B. automatisierte Versuchsreihen, standardisierte Logfiles, Vergleich von Softwareständen).

Für Projekte, in denen wir Entwicklung und Fertigung begleiten, ist wichtig, XCP früh im Systemdesign mitzudenken: Schnittstellenwahl, Steckverbinder/Netzwerk-Topologie, EMV-Konzept, Testzugänge und die Abgrenzung zwischen Entwicklungs- und Serienfunktionen wirken sich direkt auf Stabilität und spätere Prüfprozesse aus.

Wer Schnittstellen und Softwareanteile in einem Steuergerät ganzheitlich betrachtet, findet weitere Einordnung und Kontext in unserem Bereich Elektronikentwicklung.

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