19.12.2025

Zweiweg-Gleichrichter

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Was ist ein Zweiweg-Gleichrichter?

Ein Zweiweg-Gleichrichter (auch: Vollweggleichrichter) ist eine Schaltung, die beide Halbwellen einer Wechselspannung nutzt, um daraus eine pulsierende Gleichspannung zu erzeugen. Im Gegensatz zur Einweg-Gleichrichtung wird nicht nur jede zweite Halbwelle verwendet, sondern jede – die negative Halbwelle wird dabei „umgedreht“.

Anschaulich lässt sich das mit einem Wasserrad vergleichen: Bei Einweg-Gleichrichtung treibt nur jede zweite „Welle“ an, beim Zweiweg-Gleichrichter nutzt das System jede Welle. Das Ergebnis ist ein gleichmäßigerer Energiefluss und meist weniger Nacharbeit durch Filterung.

Wofür werden Zweiweg-Gleichrichter eingesetzt?

Zweiweg-Gleichrichter werden überall dort eingesetzt, wo aus Wechselspannung (AC) eine Gleichspannung (DC) benötigt wird – besonders, wenn eine bessere Ausnutzung und eine geringere Restwelligkeit wichtig sind.

  • Netzteile und Stromversorgungen (z. B. für Steuerungen, Sensorik, Industrie-Elektronik)
  • Zwischenkreise in Geräten, die intern mit DC weiterarbeiten (z. B. Antriebe, Umrichter-Teilfunktionen)
  • Batterieladegeräte (vor der nachfolgenden Regelung/Ladesteuerung)
  • Hilfsversorgungen auf Baugruppen, wenn aus einer Trafo-Sekundärspannung eine DC-Versorgung erzeugt wird

Wie funktioniert ein Zweiweg-Gleichrichter in der Praxis?

In der Praxis wird die Zweiweg-Gleichrichtung typischerweise auf zwei Arten umgesetzt:

  • Brückengleichrichter (Graetz-Brücke): Vier Dioden sind so verschaltet, dass der Strom durch die Last immer in derselben Richtung fließt – unabhängig davon, welche Halbwelle anliegt. Diese Variante ist sehr verbreitet, weil kein Mittelabgriff am Transformator nötig ist.
  • Zwei-Dioden-Schaltung mit Mittelanzapfung: Ein Transformator mit Mittelabgriff liefert zwei gegenphasige Teilspannungen. Je Halbwelle leitet eine Diode. Diese Lösung kann in bestimmten Auslegungen Vorteile bei der Spannungsabfall-Betrachtung haben, benötigt aber einen passenden Trafo.

Nach dem Gleichrichter folgt häufig eine Glättung (z. B. mit Kondensatoren) und danach eine Spannungsregelung (linear oder als Schaltregler). Da der Zweiweg-Gleichrichter doppelt so viele „Spannungsspitzen“ pro Zeit liefert wie der Einweg-Gleichrichter, wird die Glättung in der Regel einfacher: Für eine vergleichbare Restwelligkeit können Bauteile kleiner ausfallen oder es entsteht mehr Reserve für Lastsprünge.

Wichtig in Entwicklung und Serienfertigung sind außerdem die elektrischen und thermischen Randbedingungen: Dioden verursachen Verluste (Vorwärtsspannung, Erwärmung), und der Einschaltstrom in die Glättkondensatoren kann Bauteile und Leiterbahnen belasten. Das beeinflusst Bauteilauswahl, Layout, Prüfumfang und letztlich die Zuverlässigkeit.

Warum ist ein Zweiweg-Gleichrichter für Unternehmen relevant?

Für Unternehmen ist der Zweiweg-Gleichrichter vor allem deshalb relevant, weil er direkt Einfluss auf Zuverlässigkeit, Kosten und Time-to-Market eines Produkts haben kann:

  • Stabilere Versorgung: Geringere Restwelligkeit erleichtert die Versorgung empfindlicher Elektronik (z. B. Mikrocontroller, Analogschaltungen) und reduziert das Risiko von sporadischen Fehlern.
  • Effizientere Ausnutzung der Eingangsspannung: Beide Halbwellen werden genutzt; dadurch steht für die nachfolgende Regelung typischerweise mehr „brauchbare“ Energie pro Zeit zur Verfügung.
  • Auswirkungen auf Bauteile und Layout: Verlustleistung und Temperatur sind zentrale Treiber für Lebensdauer und Ausfallraten. Eine saubere Auslegung (Dioden, Kühlung, Leiterbahnbreiten, Sicherungen/NTCs) senkt das Risiko von Feldproblemen.
  • Fertigung und Prüfung: Standardisierte Brückengleichrichter sind gut verfügbar und in der Bestückung robust. Gleichzeitig lassen sich Gleichrichter-/Netzteilpfade in der Produktion gut prüfen (z. B. über Spannungsabfälle, Funktionstest der DC-Schiene).

Gerade bei Serienprodukten zählt, dass die Stromversorgung nicht nur „funktioniert“, sondern auch über Toleranzen, Temperatur und Bauteilstreuungen stabil bleibt. Zweiweg-Gleichrichtung ist dabei eine bewährte Grundlage, auf der sich robuste Versorgungsdesigns aufbauen lassen.

Wer den Zweiweg-Gleichrichter im Kontext kompletter Baugruppen verstehen möchte (z. B. Bauteilauswahl, Layout, Prüfung und Serienanlauf), findet dazu passende Einordnung auf unserer Seite zur Elektronikfertigung.

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