17.12.2025

Auftragsfertigung

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Was ist eine Auftragsfertigung?

Eine Auftragsfertigung beschreibt ein Fertigungsmodell, bei dem die Produktion ausschließlich auf Basis konkreter Kundenvorgaben erfolgt. Es werden also keine Produkte „auf Vorrat“ hergestellt, sondern erst dann, wenn ein Auftrag mit definierten Anforderungen vorliegt.

In der Elektronik ist Auftragsfertigung besonders verbreitet, weil Produkte oft kundenspezifisch sind: Varianten, Stückzahlen, Prüfanforderungen oder auch Freigaben und Dokumentationspflichten unterscheiden sich je nach Projekt. Vereinfacht gesagt: Die Fabrik arbeitet wie eine Küche nach Rezept – das „Rezept“ liefert der Auftraggeber in Form von Daten, Stücklisten und Spezifikationen.

Wann benötigt man die Auftragsfertigung?

Die Auftragsfertigung kommt zum Einsatz, wenn Unternehmen eigene Produkte entwickeln oder vermarkten, die Fertigung aber an einen spezialisierten Dienstleister auslagern. Typische Anwendungsfelder in der Elektronik sind:

  • Leiterplattenbestückung (PCB Assembly) für Prototypen, Vorserien und Serien
  • Geräte- und Systemmontage (Box Build) inklusive Verdrahtung, mechanischer Integration und Endprüfung
  • Industrie- und Medizintechnik-nahe Elektronik mit erhöhten Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Qualität
  • Variantenfertigung (z. B. unterschiedliche Schnittstellen, Gehäusevarianten, Länder- oder Kundenvarianten)
  • Produktion bei schwankenden Bedarfen, wenn keine konstante Auslastung für eine Eigenfertigung gegeben ist

Gerade bei elektronischen Baugruppen spielt Auftragsfertigung ihre Stärke aus, wenn es um reproduzierbare Prozesse, definierte Prüfkonzepte und verlässliche Lieferfähigkeit geht.

Wie funktioniert die Auftragsfertigung in der Praxis?

In der Praxis beginnt die Auftragsfertigung lange vor dem eigentlichen Produktionsstart. Üblicherweise laufen mehrere Bausteine zusammen, damit Qualität, Kosten und Termine planbar werden:

  • Klärung der Fertigungsgrundlagen: Stücklisten, Fertigungsdaten, Zeichnungen, Spezifikationen, Prüfanforderungen und Freigaben werden abgestimmt.
  • Materialmanagement: Bauteile werden beschafft oder beigestellt. Dabei sind Verfügbarkeit, Alternativen (z. B. bei Obsoleszenz) und qualifizierte Lieferketten entscheidend.
  • Fertigungsprozess: Je nach Produkt erfolgt z. B. SMT-/THT-Bestückung, Löten, Reinigung, Beschichtung oder Montage.
  • Test und Prüfung: Optische Inspektion, elektrische Tests, Funktionstests oder kundenspezifische Prüfadapter sichern die Reproduzierbarkeit und senken Ausfallrisiken.
  • Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Seriennummern, Prüfprotokolle und Prozessdaten unterstützen Nachweisführung und Fehleranalyse.

Wichtig ist: Bei der Auftragsfertigung bleibt die Produktdefinition beim Auftraggeber (was gebaut werden soll), während der Fertiger die Umsetzung in stabile, wiederholbare Prozesse übersetzt (wie es zuverlässig gebaut werden kann). Je besser die Übergabe der Produktdaten, desto geringer sind Reibungsverluste in der Industrialisierung und desto schneller wird die Serie stabil.

Warum ist die Auftragsfertigung für Unternehmen relevant?

Auftragsfertigung ist für Unternehmen relevant, weil sie Kapazitäten, Know-how und Investitionen flexibel nutzbar macht. Das wirkt sich direkt auf mehrere Unternehmensziele aus:

  • Time-to-Market: Bestehende Fertigungs- und Prüfprozesse verkürzen den Weg von der Entwicklung in die Serie, wenn Daten und Anforderungen sauber übergeben werden.
  • Kosten und Investitionen: Eigene Linien, Personalaufbau und Maschineninvestitionen werden reduziert oder vermieden; Kosten werden stärker variabilisiert.
  • Qualität und Zuverlässigkeit: Standardisierte Prozesse, definierte Prüfstrategien und dokumentierte Abläufe unterstützen gleichbleibende Produktqualität über die Serie.
  • Skalierbarkeit: Stückzahlen können je nach Marktnachfrage hoch- oder heruntergefahren werden, ohne dass eine eigene Fertigung dauerhaft ausgelastet sein muss.
  • Digitalisierung und Transparenz: Prozess- und Prüfdaten (z. B. Traceability) schaffen bessere Nachvollziehbarkeit – hilfreich für Reklamationsbearbeitung, Audits und kontinuierliche Verbesserung.

Für Einkauf und Projektleitung bedeutet das häufig: Der Schwerpunkt verschiebt sich von Maschinen und Personal hin zu klaren Spezifikationen, belastbaren Datenständen, sauberem Änderungsmanagement und eindeutig definierten Qualitätskriterien.

Auftragsfertigung ist damit ein zentrales Modell, um Elektronikprodukte zuverlässig und planbar herstellen zu lassen – besonders dann, wenn Entwicklung, Industrialisierung und Serie eng verzahnt werden sollen. Ergänzend bietet der Überblick zu Elektronikfertigung hilfreichen Kontext zu typischen Prozessen und Prüfschritten entlang der Produktion.

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