18.12.2025

EtherCAT

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Was bedeutet EtherCAT?

EtherCAT steht für Ethernet for Control Automation Technology. Gemeint ist ein Industrial-Ethernet-Kommunikationssystem, das für Steuerungs- und Automatisierungsaufgaben entwickelt wurde – also dort, wo viele Geräte (z. B. Sensoren, Antriebe, I/O-Module) sehr schnell und mit gut vorhersagbaren Reaktionszeiten Daten austauschen müssen.

Anschaulich lässt sich EtherCAT mit einer sehr effizienten „Rundreise“ vergleichen: Ein Datenpaket läuft durch alle Teilnehmer im Netzwerk, und jeder Teilnehmer entnimmt bzw. ergänzt seine Informationen, ohne dass das Paket jedes Mal neu aufgebaut und erneut gesendet werden muss. Dadurch werden kurze Zykluszeiten und eine hohe Datenrate möglich.

Wofür wird EtherCAT eingesetzt?

EtherCAT kommt typischerweise in Maschinen und Anlagen zum Einsatz, in denen viele Signale und Regelkreise zeitkritisch zusammenarbeiten. Häufige Einsatzfelder sind:

  • Motion Control (z. B. Synchronisation mehrerer Servoantriebe in Verpackungs- oder Montageanlagen)
  • Robotertechnik (schnelle, koordinierte Achsbewegungen)
  • Modulare Maschinen mit vielen I/O-Punkten (dezentrale Ein-/Ausgänge, Ventilinseln)
  • Prüf- und Testsysteme (zeitgenaue Erfassung und Auswertung von Messdaten)
  • Prozess- und Sondermaschinenbau (viele Sensor-/Aktor-Signale bei hoher Dynamik)

Für Elektronik in diesen Bereichen bedeutet das: Schnittstellenkonzept, Echtzeit-Anforderungen und EMV-gerechte Auslegung werden zu wichtigen Bestandteilen von Entwicklung und Serienüberführung.

Wie funktioniert EtherCAT in der Praxis?

In der Praxis besteht ein EtherCAT-System aus einem Master (meist eine SPS, ein Industrie-PC oder ein Embedded Controller) und mehreren Slaves (z. B. I/O-Module, Antriebe, Gateways). Der Master sendet zyklisch Telegramme, die durch die Slaves „hindurchlaufen“. Jeder Slave liest seine Eingangsdaten aus dem Telegramm und schreibt Ausgangsdaten hinein – im laufenden Durchgang.

Wichtige Aspekte für die Umsetzung in Projekten sind meist weniger das „Kabel anstecken“, sondern Details wie:

  • Topologie und Verkabelung (Linie, Ring, Abzweige; Stecker- und Schirmkonzept)
  • Determinismus und Zykluszeiten (passt die Kommunikation zur Regelung und zum Motion-Profil?)
  • Gerätebeschreibung und Parametrierung (Einbindung der Slaves in das Engineering-Tool, Datenmapping)
  • Robustheit im Industrieumfeld (EMV, Potentialausgleich, Temperatur, Vibration)
  • Testbarkeit (z. B. Produktions- und Funktionstests für Geräte mit EtherCAT-Schnittstelle)

In der Elektronikfertigung spielt zusätzlich eine Rolle, dass Schnittstellen-Design, Bauteilauswahl (z. B. Ethernet-Phys, Magnetics, ESD-/Überspannungsschutz) und Prüfstrategie von Anfang an zusammenpassen, damit Ausbeute, Qualität und Lieferfähigkeit in der Serie stabil bleiben.

Warum ist EtherCAT für Unternehmen relevant?

EtherCAT ist für Unternehmen vor allem dann relevant, wenn Anlagen schneller, genauer oder modularer werden sollen – ohne dass die Kommunikation zum Engpass wird. Das wirkt sich in Projekten oft auf mehrere Ziele gleichzeitig aus:

  • Zuverlässigkeit: deterministische Kommunikation reduziert „schwer erklärbare“ Timing-Probleme in Automatisierungssystemen.
  • Time-to-Market: ein etabliertes Industrial-Ethernet-System kann Integrationsaufwand senken, wenn passende Geräte und Toolchains verfügbar sind.
  • Kosten: durch klare Systemarchitektur, standardisierte Komponenten und eine früh geplante Teststrategie lassen sich spätere Anpassungs- und Fehlersuchkosten reduzieren.
  • Automatisierung & Digitalisierung: schnelle, strukturierte Datenübertragung unterstützt vernetzte Maschinenkonzepte und Diagnosedaten in der Produktion.

Im Ergebnis ist EtherCAT weniger „ein weiteres Protokoll“, sondern ein Architekturbaustein, der früh in Spezifikation, Hardware-/Firmware-Design und Produktionskonzept berücksichtigt werden sollte, damit die spätere Serie stabil läuft.

Im Kontext vernetzter Steuerungen und industrieller Kommunikation wird EtherCAT häufig zusammen mit Themen der Elektronikentwicklung betrachtet, insbesondere wenn Schnittstellen- und Echtzeit-Anforderungen bereits im Produktdesign festgelegt werden.

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