18.12.2025

Gerber-Datei

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Was ist eine Gerber-Datei?

Eine Gerber-Datei ist ein Standardformat, mit dem die Geometriedaten einer Leiterplatte (PCB) an die Leiterplattenfertigung und später an die Bestückung übergeben werden. Vereinfacht gesagt ist sie vergleichbar mit einer druckfertigen Vorlage: Jede Datei beschreibt einen konkreten „Film“ bzw. eine Ebene der Leiterplatte – zum Beispiel Kupfer oben, Kupfer unten, Lötstoppmaske oder Bestückungsdruck.

Wichtig ist: Gerber-Dateien sind keine Schaltpläne und auch kein „Projekt“ aus dem Layoutprogramm. Sie sind das Ergebnis des Exports aus dem PCB-CAD und dienen als verbindliche Fertigungsgrundlage.

Wofür werden Gerber-Dateien eingesetzt?

Gerber-Dateien werden überall dort eingesetzt, wo Leiterplatten hergestellt oder verarbeitet werden – vom Prototyp bis zur Serie. Typische Einsatzfälle sind:

  • Leiterplattenfertigung: Erzeugung der Kupferstrukturen, Masken und Beschriftungen je Lage
  • Bohr- und Fräsdaten: Übergabe der Bohrbilder (häufig als Excellon-Dateien) und Konturen
  • CAM-Prüfung in der Fertigung: Plausibilitätschecks, Panelisierung, Fertigungsanpassungen nach klaren Regeln
  • Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion: Freigabedokumente für externe Leiterplattenlieferanten und EMS-Partner

In der Praxis werden Gerber-Daten fast immer als Paket geliefert – ergänzt um Bohrdaten, Layer-Stack-Informationen und häufig eine Readme, damit eindeutig ist, was welcher Layer bedeutet.

Wie funktionieren Gerber-Dateien in der Praxis?

Im PCB-Layout werden Leiterbahnen, Pads, Vias, Lötstoppmasken und Konturen gestaltet. Anschließend erzeugt das Layoutprogramm daraus die Gerber-Dateien – typischerweise getrennt nach Layern. Jede Datei enthält dann Vektoren/Flächen, die in der Fertigung wie Schablonen genutzt werden.

Damit die Daten in der Fertigung zuverlässig verarbeitet werden können, sind in der Praxis vor allem folgende Punkte entscheidend:

  • Vollständigkeit: alle benötigten Layer (z. B. Top/Bottom Copper, Lötstopp, Siebdruck, Kontur) plus Bohrdaten
  • Eindeutige Benennung: klare Layernamen verhindern Missverständnisse (z. B. „Top Soldermask“ statt „L1“)
  • Konsistenz: gleiche Nullpunkte, gleiche Einheiten und gleiche Ausrichtung über alle Dateien
  • Prüfbarkeit: Gerber-Viewer-Check (stimmt die Kontur, passen Bohrungen, sind Maskenöffnungen korrekt?)

In der Fertigung werden die Daten in CAM-Systeme eingelesen und geprüft. Dabei geht es weniger um „Interpretation“, sondern um das Erkennen von Unstimmigkeiten (z. B. fehlender Layer, vertauschte Seiten, unplausible Bohrdurchmesser). Diese Vorprüfung reduziert spätere Rückfragen und verhindert kostspielige Iterationen.

Warum sind Gerber-Dateien für Unternehmen relevant?

Gerber-Dateien beeinflussen direkt Qualität, Kosten und Time-to-Market, weil sie die verbindliche Grundlage für die Leiterplattenherstellung sind. Unklare oder unvollständige Gerber-Pakete führen typischerweise zu Rückfragen, Wartezeiten oder – im ungünstigsten Fall – zu falsch gefertigten Leiterplatten.

Für Unternehmen sind insbesondere diese Aspekte relevant:

  • Zuverlässigkeit: saubere Daten reduzieren das Risiko von Fertigungsfehlern und Nacharbeit
  • Kostenkontrolle: weniger Schleifen zwischen Entwicklung und Fertigung, weniger Ausschuss
  • Schnellere Industrialisierung: klare Gerber-Daten beschleunigen Prototypenläufe und Serienanläufe
  • Digitalisierung/Automatisierung: standardisierte Datenformate lassen sich in CAM- und Fertigungsprozessen effizient automatisiert prüfen und verarbeiten

Gerade bei der Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Einkauf und Auftragsfertigung hilft ein konsistentes Gerber-Datenpaket dabei, Spezifikationen eindeutig zu übergeben und Entscheidungen (z. B. Lieferantenauswahl, Freigaben) belastbar zu treffen.

Im Kontext der Elektronikfertigung sind Gerber-Dateien ein zentraler Baustein, um Leiterplatten sicher in die Fertigung zu überführen und reibungslose Abläufe vom Prototyp bis zur Serie zu unterstützen.

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