19.12.2025

Obsoleszenz

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Was ist Obsoleszenz?

Obsoleszenz beschreibt, dass Produkte oder Bauteile im Lauf der Zeit „veralten“ oder vom Hersteller offiziell abgekündigt werden. In der Elektronik betrifft das häufig einzelne Komponenten wie Mikrocontroller, Speicher, Steckverbinder oder Leistungshalbleiter – also genau die Teile, aus denen Baugruppen und Geräte aufgebaut sind.

Ein einfacher Vergleich: In einem Gerät ist jedes Bauteil wie ein Ersatzteil in einer Maschine. Wenn ein Ersatzteil nicht mehr hergestellt wird, ist das Gerät nicht automatisch defekt – aber Reparatur, Nachbau oder Serienfertigung werden schwieriger, teurer oder sogar unmöglich, wenn keine Alternative vorgesehen ist.

Wann tritt Obsoleszenz auf?

Obsoleszenz tritt als natürlicher Effekt in Produktlebenszyklen auf. In Unternehmen wird jedoch ein Obsoleszenzmanagement eingesetzt, um diese Effekte zu erkennen und zu beherrschen.

  • Langläufer-Produkte mit langen Einsatzzeiten (z. B. Industrieelektronik, Infrastruktur, Medizintechnik, Bahntechnik).
  • Service- und Ersatzteilversorgung, wenn Geräte viele Jahre reparierbar bleiben sollen.
  • Serienfertigung, wenn die Verfügbarkeit von Bauteilen die Lieferfähigkeit und Preisstabilität beeinflusst.
  • Redesign- und Variantenpflege, wenn Baugruppen über Jahre technisch und regulatorisch stabil bleiben müssen.

Wie funktioniert Obsoleszenz in der Praxis?

In der Praxis zeigt sich Obsoleszenz meist in klaren Ereignissen entlang der Lieferkette: Ein Hersteller kündigt ein Bauteil ab, reduziert die Verfügbarkeit oder stellt auf eine neue Baureihe um. Oft gibt es dann eine Last-Time-Buy-Phase (letzte Bestellmöglichkeit), danach sind Teile nur noch über Restbestände oder Broker erhältlich.

Für Entwicklung und Fertigung bedeutet das typischerweise folgende Schritte:

  • Früherkennung: Stücklisten (BOM) und Herstellerinformationen werden regelmäßig geprüft, um Risiken früh zu sehen.
  • Bewertung: Welche Baugruppen sind betroffen, welche Mengen werden benötigt, welche Laufzeiten sind geplant (Serie/Service)?
  • Maßnahmenplanung: z. B. Alternativbauteil qualifizieren, Layout anpassen, Firmware anpassen, zweite Quelle (Second Source) aufbauen oder bevorraten.
  • Umsetzung & Absicherung: Änderungen werden dokumentiert, getestet und – je nach Produkt – über Freigaben, Prüfkonzepte und Traceability abgesichert.

Wichtig ist dabei: Der Wechsel eines Bauteils ist nicht nur „Einkaufsthema“. Je nach Komponente kann eine Änderung Auswirkungen auf Funktion, EMV, Sicherheit, Zulassungen, Testbarkeit und Qualität haben. Genau deshalb ist eine enge Verzahnung zwischen Elektronikentwicklung, Materialmanagement und Fertigung entscheidend.

Warum ist Obsoleszenz für Unternehmen relevant?

Obsoleszenz ist ein relevanter Kosten- und Risikotreiber, weil sie direkt auf Lieferfähigkeit, Time-to-Market und Produktzuverlässigkeit wirkt:

  • Planungssicherheit: Früh erkannte Abkündigungen vermeiden kurzfristige Redesigns und Produktionsstopps.
  • Kostenkontrolle: Notkäufe, teure Restbestände oder Brokerware können Stückkosten stark erhöhen.
  • Qualität & Zuverlässigkeit: Ungeplante Bauteilwechsel bergen Risiken (z. B. veränderte elektrische Eigenschaften, andere Deratings, neue Failure Modes).
  • Time-to-Market: Wenn Redesigns ungeplant passieren, verlängern sich Entwicklungs- und Freigabezeiten – auch weil Tests und ggf. Re-Zertifizierungen nötig werden.
  • Digitalisierung & Transparenz: Strukturierte BOM-Daten, klare Änderungsprozesse und nachvollziehbare Dokumentation erleichtern die Umsetzung und reduzieren Reibungsverluste.

Für viele Unternehmen ist daher nicht die Obsoleszenz selbst das Problem, sondern der Zeitpunkt: Je später ein Risiko erkannt wird, desto weniger Optionen bleiben (und desto teurer wird es meist).

Im Kontext unserer Fertigungs- und Serviceprozesse ist Obsoleszenz vor allem dann relevant, wenn Produkte langfristig verfügbar und betreibbar bleiben sollen; dazu passt ein Blick auf unsere Leistungen im Bereich Full Service EMS.

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