19.12.2025

PoE

poe

Was bedeutet PoE?

PoE steht für Power over Ethernet. Gemeint ist die Versorgung von Netzwerkgeräten mit elektrischer Energie über dasselbe Ethernet-Kabel, das auch die Daten überträgt. Praktisch bedeutet das: Ein Gerät bekommt Netzwerkverbindung und Strom aus „einer Leitung“ – ähnlich wie bei einem einzigen Kabel für Bild und Strom, nur im Netzwerkumfeld.

Typischerweise übernimmt ein PoE-fähiger Switch oder ein sogenannter Injektor die Einspeisung der Energie. Am anderen Ende nutzt das Endgerät die Energie direkt (PoE-PD) oder ein PoE-Splitter trennt Strom und Daten wieder auf, falls das Endgerät selbst kein PoE unterstützt.

Wofür wird PoE eingesetzt?

PoE wird überall dort eingesetzt, wo Netzwerkgeräte flexibel platziert werden sollen und eine separate Stromversorgung vor Ort teuer, unpraktisch oder gar nicht vorhanden ist. Häufige Beispiele:

  • IP-Kameras in Gebäuden und Außenbereichen
  • WLAN-Access-Points in Hallen, Büros oder Schulen
  • VoIP-Telefone und Konferenzsysteme
  • Türsprechanlagen, Zutritts- und Sicherheitskomponenten
  • Sensorik und Gateways im (Industrial) IoT, z. B. für Monitoring

Im Kontext von Elektronikentwicklung und EMS ist PoE oft Teil kompletter Geräte- und Systemlösungen, bei denen neben der Elektronik auch die mechanische Integration, EMV, Schutzkonzepte und die Serienfertigung berücksichtigt werden müssen.

Wie funktioniert PoE in der Praxis?

In der Praxis sind drei Bausteine entscheidend:

  • PSE (Power Sourcing Equipment): Stromquelle, meist PoE-Switch oder PoE-Injektor.
  • PD (Powered Device): das versorgte Endgerät, z. B. Kamera oder Access-Point.
  • Verkabelung: Standard-Ethernet-Kupferleitung (Twisted Pair), über die Daten und Energie laufen.

Damit die Versorgung zuverlässig und sicher funktioniert, „handeln“ PSE und PD die Leistungsabgabe kontrolliert aus. Erst wenn ein geeignetes Endgerät erkannt wird, wird die Versorgung freigeschaltet. Für das Endgerät ist danach vor allem entscheidend, wie die PoE-Spannung intern auf die benötigten Betriebsspannungen umgesetzt wird (z. B. über DC/DC-Wandler) und wie gut Schutz- und Filtermaßnahmen ausgelegt sind.

Für Entwicklungs- und Fertigungsprojekte bedeutet das häufig konkrete Anforderungen an:

  • Zuverlässigkeit (stabile Versorgung auch bei langen Leitungen und Lastwechseln)
  • EMV/Robustheit (Filterung, Erdungskonzepte, Überspannungsschutz)
  • Wärmemanagement (Verlustleistung in Wandlern, Gehäuseabführung)
  • Testbarkeit (Prüfkonzepte für Datenlink und Leistungsaufnahme in der Fertigung)

Warum ist PoE für Unternehmen relevant?

PoE ist für Unternehmen vor allem aus Projekt- und Betriebssicht interessant, weil es Installationen vereinfacht und die Infrastruktur standardisiert:

  • Kosten: weniger Netzteile, Steckdosen und Elektroinstallationsaufwand – besonders bei vielen Endpunkten.
  • Time-to-Market: schnellere Inbetriebnahme, da Geräte mit vorhandener Netzwerkinfrastruktur ausgerollt werden können.
  • Zuverlässigkeit: zentrale Stromversorgung über Switch/USV erleichtert kontrollierte Abschaltungen und erhöht die Verfügbarkeit.
  • Skalierbarkeit: neue Endgeräte lassen sich meist durch „Anstecken“ integrieren, was Automatisierung und Digitalisierung (z. B. Sensorik/Edge-Geräte) unterstützt.

Für Produktverantwortliche ist PoE außerdem ein Design- und Beschaffungsthema: Leistungsbudget, Steckverbinder, Schutzbeschaltungen und Prüfstrategie beeinflussen Bauteilauswahl, Stückliste, Serienqualität und langfristige Servicefähigkeit.

Wer PoE als Teil einer Geräteplattform oder Systemlösung einordnet, betrachtet es idealerweise im Zusammenspiel mit Gehäuse, EMV, Testkonzept und Serienüberführung – passende Schnittstellen dazu werden häufig bereits in der Elektronikentwicklung festgelegt.

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