19.12.2025

RoHS

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Was bedeutet RoHS?

RoHS steht für Restriction of Hazardous Substances und bezeichnet eine EU-Richtlinie zur Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Ziel ist es, Risiken für Mensch und Umwelt zu reduzieren – insbesondere bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung.

Im Unternehmensalltag heißt „RoHS-konform“ vereinfacht: Materialien, Bauteile und Baugruppen dürfen definierte Grenzwerte für bestimmte Stoffe nicht überschreiten. RoHS ist damit weniger ein „Qualitätsmerkmal“ im klassischen Sinne, sondern eine verbindliche Compliance-Anforderung, die Entwicklung, Einkauf und Fertigung gleichermaßen betrifft.

Wofür wird RoHS eingesetzt?

RoHS wird überall dort relevant, wo elektronische Baugruppen oder Geräte in Verkehr gebracht werden und in den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen. Typische Anwendungsfelder sind:

  • Industrieelektronik (z. B. Steuerungen, Sensorik, Kommunikationsmodule)
  • Geräte- und Systembau (z. B. HMI-Komponenten, Netzteile, Baugruppen in Maschinen)
  • Serienprodukte im B2B- und B2C-Umfeld, bei denen Marktanforderungen eine RoHS-Konformität voraussetzen

Auch wenn ein Produkt außerhalb der EU eingesetzt wird, wird RoHS oft als Lieferketten-Standard gefordert, weil viele Kunden, Märkte oder Ausschreibungen entsprechende Nachweise verlangen.

Wie funktioniert RoHS in der Praxis?

In der Praxis ist RoHS vor allem ein Zusammenspiel aus Materialauswahl, Prozesskontrolle und Dokumentation. Ein anschaulicher Vergleich: RoHS ist wie eine Zutatenliste mit Grenzwerten – nicht jedes „kritische“ Material ist grundsätzlich verboten, aber bestimmte Inhaltsstoffe dürfen nur bis zu einer klar definierten Obergrenze enthalten sein.

Typische Bausteine in Projekten sind:

  • Bauteil- und Materialauswahl: Bereits im Design werden bevorzugt Bauteile gewählt, die vom Hersteller als RoHS-konform deklariert sind. Kritisch sind häufig Legierungen, Beschichtungen oder spezielle Komponentenvarianten.
  • Fertigungsprozesse: RoHS steht oft im Zusammenhang mit bleifreier Löttechnologie (z. B. Anpassungen bei Lötprofilen, Prozessfenstern und Qualitätskontrolle). Das betrifft sowohl Prototypen als auch Serien.
  • Nachweise und Rückverfolgbarkeit: Für Kunden und Behörden zählen nachvollziehbare Unterlagen (z. B. Lieferantenerklärungen, Materialdaten, Konformitätsdokumente). Hier helfen strukturierte Datenpflege und Digitalisierung, um Änderungen in der Lieferkette sauber zu beherrschen.
  • Änderungsmanagement: Bauteilabkündigungen oder Second-Source-Wechsel können Einfluss auf die Stoffkonformität haben. Deshalb wird RoHS idealerweise im Change-Prozess mitgeprüft.

Für die Elektronikfertigung bedeutet das: RoHS ist nicht „ein Dokument am Ende“, sondern ein Querschnittsthema, das von Einkauf über Wareneingang bis zur Prozessüberwachung mitläuft.

Warum ist RoHS für Unternehmen relevant?

RoHS ist für Unternehmen relevant, weil es Marktzugang, Lieferfähigkeit und Projektrisiken unmittelbar beeinflusst:

  • Rechtliche Sicherheit: Fehlende oder falsche Konformität kann zu Lieferstopps, Rückrufen oder Nacharbeiten führen – mit entsprechenden Kosten und Reputationsrisiken.
  • Planbare Qualität und Zuverlässigkeit: RoHS wirkt indirekt auf Zuverlässigkeit, weil Material- und Prozessumstellungen (z. B. bei bleifreiem Löten) stabile, beherrschte Fertigungsfenster und passende Prüfstrategien erfordern.
  • Kosten und Time-to-Market: Wenn RoHS erst spät geprüft wird, entstehen Verzögerungen durch Redesign, Ersatzteilqualifikation oder erneute Freigaben. Eine frühe Einplanung reduziert Schleifen und beschleunigt die Industrialisierung.
  • Lieferkettensteuerung: RoHS-konforme Beschaffung ist auch Datenarbeit. Saubere Stücklisten, eindeutige Spezifikationen und belastbare Lieferantennachweise unterstützen Automatisierung und reduzieren Klärungsaufwand.

Im Kern hilft ein professioneller Umgang mit RoHS dabei, Compliance-Anforderungen ohne unnötige Reibungsverluste in Entwicklung und Elektronikfertigung umzusetzen.

Im Kontext der Herstellung und Prüfung elektronischer Baugruppen ist RoHS ein typisches Compliance-Thema – ergänzend dazu bietet die Seite zur Elektronikfertigung einen Überblick, wie solche Anforderungen in der Produktion praktisch zusammenlaufen.

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