19.12.2025

SDIP 27 Level

sdip 27 level

Was bedeutet SDIP 27 Level?

SDIP 27 Level steht für Security Design & Implementation Practices und beschreibt einen Sicherheitsstandard, der Anforderungen an das Design und die Implementierung von staatlichen IT-Systemen strukturiert. Ein „Level“ bezeichnet dabei typischerweise eine Schutz- bzw. Reifegradstufe, also wie streng und umfassend Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden müssen.

Anschaulich lässt sich das mit Bauvorschriften vergleichen: Nicht jedes Gebäude benötigt dieselben Anforderungen. Ein Lagerraum wird anders abgesichert als ein Rechenzentrum. SDIP 27 Level ordnet Anforderungen ebenfalls nach einem festgelegten Niveau und erleichtert es, Sicherheit planbar und prüfbar zu machen.

Wofür wird SDIP 27 Level eingesetzt?

SDIP 27 Level wird eingesetzt, um Sicherheitsanforderungen in Projekten mit hohem Schutzbedarf konsistent umzusetzen – insbesondere dort, wo staatliche oder staatlich beauftragte IT-Systeme entstehen oder betrieben werden.

  • IT-Systeme in regulierten Umfeldern: z. B. Behörden-IT oder Systeme mit besonderen Compliance-Vorgaben.
  • Produktentwicklung mit Security-by-Design: wenn Sicherheit nicht „nachträglich“ ergänzt, sondern von Beginn an mitgeplant wird.
  • Lieferketten und Zulieferersteuerung: um Anforderungen an Entwicklungspartner, Software-Teams oder Fertigungsdienstleister eindeutig zu beschreiben.
  • Audit- und Nachweissituationen: wenn Maßnahmen dokumentiert, getestet und nachvollziehbar belegt werden müssen.

Was bedeutet ein SDIP 27 Level für die Entwicklung?

In der Praxis bedeutet ein SDIP 27 Level, dass Sicherheitsanforderungen nicht nur als abstrakte Ziele formuliert werden („System muss sicher sein“), sondern als konkrete Vorgaben für Architektur, Implementierung und Verifikation. Dazu gehören typischerweise Regeln, Prozesse und Prüfungen entlang des Produktlebenszyklus.

In Entwicklungs- und E²MS-/EMS-Projekten berührt das häufig mehrere Ebenen:

  • Anforderungsmanagement: Sicherheitsanforderungen werden als prüfbare Anforderungen erfasst (z. B. zu Zugriffsschutz, Datenfluss, Updatefähigkeit, Logging).
  • Architektur & Design: Sicherheitsfunktionen werden in Hardware-/Software-Architektur übersetzt (z. B. Trennung sicherheitsrelevanter Bereiche, sichere Boot- und Update-Konzepte).
  • Implementierung: Vorgaben für sichere Programmierung und Konfiguration werden eingehalten (z. B. Umgang mit Schlüsseln, Schnittstellenhärtung, Fehlerbehandlung).
  • Test & Nachweis: Sicherheitsanforderungen werden verifiziert, dokumentiert und versioniert – ähnlich wie bei klassischen Qualitätsprüfungen, nur mit Fokus auf Bedrohungen und Missbrauchsszenarien.

Für die Elektronikfertigung kann das indirekt relevant werden, wenn z. B. Geräteidentitäten, Zertifikate oder Schlüsselmaterial in der Produktion erzeugt, injiziert oder geschützt werden müssen und sich daraus Anforderungen an Prozesse, Traceability und Zugriffskonzepte ergeben.

Warum ist das SDIP 27 Level für Unternehmen relevant?

SDIP 27 Level ist für Unternehmen vor allem dann relevant, wenn Produkte oder Systeme in sensiblen Umfeldern eingesetzt werden oder wenn Auftraggeber definierte Sicherheitsniveaus verlangen. Ein klarer Sicherheitslevel-Ansatz reduziert Interpretationsspielräume und unterstützt planbares Projektmanagement.

  • Zuverlässigkeit & Risiko: Sicherheitsmaßnahmen senken das Risiko von Ausfällen, Manipulationen und Datenabfluss – und damit Folgekosten.
  • Qualität & Nachweisbarkeit: definierte Levels erleichtern Dokumentation, Reviews und Audits, weil Anforderungen strukturiert und prüfbar sind.
  • Kostensteuerung: ein passender Level hilft, Over-Engineering zu vermeiden und Maßnahmen angemessen zur Schutzbedarfsstufe zu wählen.
  • Time-to-Market: wenn Security früh eingeplant wird, entstehen weniger späte Änderungen (z. B. Redesigns von Schnittstellen oder Update-Konzepten).
  • Zusammenspiel mit Fertigung: Anforderungen an Serienprozesse (z. B. Rückverfolgbarkeit, sichere Programmierung, kontrollierter Zugriff) lassen sich früh definieren und stabil umsetzen.

Im Kontext von Elektronikentwicklung und Elektronikfertigung ist SDIP 27 Level damit weniger „ein Dokument“, sondern ein Rahmen, der Sicherheitsanforderungen in klare Arbeits- und Prüfschritte übersetzt – von der Spezifikation bis zur reproduzierbaren Umsetzung.

Wer Sicherheitsanforderungen in Entwicklungsprojekten strukturiert verankern möchte, findet in unserer Übersicht zur Elektronikentwicklung den passenden Einstieg in typische Vorgehensweisen und Schnittstellen zwischen Design, Umsetzung und Absicherung.

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